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Vernissage, Jusha und Sven Mueller

 

Mehr über Jusha und Sven Mueller unter:
www.jushamueller.de

 


MÜNCHNER GOLD

„MÜNCHNER GOLD“ ist die inzwischen siebzehnte Ausstellung bei HEADEGG. Das Allgäuer Künstlerpaar Sven und Jusha Mueller zeigt Arbeiten, die sich auf den Ausstellungsort ebenso wie die Stadt München beziehen.
Trash-Materialien wie Karton, Styropor, Zinkblech und Dosen werden durch Blattgold und Platingold veredelt. Die so entstandenen Arbeiten sind zum einen Bildträger als auch Objekte und Bodeninstallationen. Den ursprünglich für den Betrachter wertfreien Materialien und Untergründen wird durch das Vergolden eine Wertigkeit gegeben. Das Ausgangsmaterial wird so entfremdet und bearbeitet, dass erst nach genauem betrachten die ursprüngliche Materialität zu Tage tritt.
Sven Mueller verweist im Zusammenhang mit den Arbeiten auf den Mythos von König Midas: „Über Midas’ Gier und Dummheit gibt es etliche antike Anekdoten: Um so weise wie Silenos zu werden, glaubte Midas genüge es ihn zu fangen. Er stellte ihm eine Falle, indem er einer Waldquelle Wein beimischte, aus der Silenos trank und berauscht einschlief. Dionysos, der seinen alten Lehrer vermisste, musste dem König für dessen Freigabe einen Wunsch erfüllen. Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst.“
Der antike Mythos und die Arbeitsweise der Künstler kann als Synonym gelesen und auf die Werke und deren Aussage übertragen werden. Als eine Reaktion auf die Mechanismen mit welchen Freiflächen und leerstehende Räume, die in München immer seltener zu finden sind, zunehmend verschwinden. Alles in München wird zu „Gold/Geld gemacht“. So ergeht es auch unseren Kiosken von HEADEGG, welche voraussichtlich nur noch bis Oktober mit Kunst bespielt werden können und dann der Abrissbirne zum Opfer fallen. Freiräume werden immer rarer und Luxus dominiert das vorherrschende Interesse. Die Arbeiten können verstanden werden als ein Aufmerksam machen auf bestehende Missstände. Den Künstlern geht es jedoch nicht um politische Kunst. Vielmehr steht hinter den Gedanken ein persönliches Empfinden und Anliegen.
Charakteristisch für alle Arbeiten sind die in den Goldflächen reliefartig enthaltenen Striche und Punkte. Die immer wiederkehrenden Motive aus den Arbeiten Jusha Muellers haben im Werk der Künstlerin eine tiefe Bedeutung. Der Strich steht hierbei als Synonym für Zeit, Vergänglichkeit und Zählbarkeit. Der Punkt steht für Rhythmen, die kleinste Einheit und für Bewertungen. So fließen auch diese Zeichen mit in die inhaltliche Aussage mit ein, korrespondieren mit den gewählten Materialien und Objekten. Was entsteht, sind wundersam zarte und stille Arbeiten, die ihre kritische Aussage erst auf den zweiten Blick offenbaren.

Text von Lea Grebe

 

 

 

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Ausstellungsansichten, Niko Abramidis

 

Ausstellungsansichten, Susi Gelb

 

Mehr über Niko Abramidis unter:
www.nikoabramidis.eu

 

Mehr über Susi Gelb unter:
www.susigelb.de

 


RESULTS, EASY

Nächste Episode: RESULTS, EASY präsentiert ein dynamisches Ausstellungskonzept, das die Schau von Niko Abramidis &NE fließend übergehen lässt in Susi Gelbs Soloshow. Niko Abramidis &NE richtet in den Räumen des Headegg sein Büro ein. Das hyperaktive und raumfüllende Flagship Office von NA&NE wird sich über die Ausstellungsdauer hinweg stetig verändern bis es zum Schluss vollständig in Susi Gelbs komplexes Alchemielaboratorium resultiert. Aus Business wird Alchemy. Die gezeigten Objekte werden schrittweise ausgewechselt aber auch weiterentwickelt oder umfunktioniert und erhalten ihre jeweils spezifische Bedeutung durch den veränderten Kontext. Das weitreichende Ausstellungskonzept bezieht unterschiedliche Events mit ein – u.a. zwei Openings und eine Finissage mit Buchpräsentation. Innerhalb von NA&NEs Bürotätigkeit geht es um innovative Investitionskonzepte, also um zeitgenössische künstlerische Strategien. Das beinhaltet Kunstaktien, Zeichnungen und weitere Produkte, basierend auf pressure, appointments, agenda. Der Künstler ist dabei Berater, Produzent und Archivar in einem. Diese produzierte Business-Situation geht fließend über in eine Laborsituation, die Einblick in den komplexen Kosmos von Susi Gelb gibt: Prozesse, Materialien, Zeitregime und Systeme werden hier bis zum Exzess strapaziert und befinden sich in einer stetigen Zirkulation. Die entstehende atmosphärische Raumlandschaft setzt sich aus verschiedenen Gießharz- und Metallgüssen, Laborutensilien, Geräten, Zeichnungen und Loop-Videoprojektionen zusammen. Alles ist dabei in einem ständigen Wandel und ändert sich von Tag zu Tag. Die Ausstellung bekommt ihren speziellen Charakter durch die ortsbezogene Arbeitsweise der beiden Künstler, die die meiste Zeit vor Ort anwesend sein werden. Auf diese Weise werden sie selbst zu Akteuren innerhalb ihrer Rauminstallationen.

Text von Madeleine Freund

 

 

 

15-headegg-Hubertus-Hamm

 

 

Bilder der Vernissage

 

Mehr über Hubertus Hamm unter:
www.hubertushamm.de

 


RINASCE PIU GLORIOSA

Nun ist es so weit: der Schirmherr von HEADEGG, Hubertus Hamm lädt ein zur 15. Ausstellung!

Der renommierte Münchner Künstler gründete den Ausstellungsraum 2009 und stellt nun zum ersten Mal selbst in den Räumlichkeiten aus.

Unter dem Titel „Rinasce piu gloriosa“ (Es entsteht neu in größerem Glanz) zeigt Hubertus Hamm Fotografien unterschiedlicher verbrannter Papier-Objekte. Die scheinbar durch den Vorgang des Verbrennens als verloren geglaubten Elemente erscheinen auf eine unerwartete Weise in neuer Schönheit. Vor dunklem Hintergrund stark vergrößert, zeigen sich dem Betrachter seltsam brüchig und fragil anmutende Gebilde, die die unterschiedlichsten Assoziationen hervorrufen. Je genauer man den Blick schweifen lässt, umso mehr lassen sich Details erkennen, welche Aufschluss über den Ursprung der Objekte geben.

Wie Phönix aus der Asche entstehen immer neue Strukturen, Flächen und Brüche der Oberflächen. Schillernde Farben und Reflexe lassen den Betrachter an Metall, Baumrinden oder Perlmutt denken. Durch den Vorgang des Verbrennens nehmen die Objekte anscheinend ein vollkommen neues faszinierendes Äußeres an, das durch seine unerschöpfliche Vielfältigkeit erstaunt. Aus der Entfernung kompakt und fest wirkend, werden die Objekte beim Näherkommen zunehmend fragil und hauchzart. Was so entsteht, sind Fotografien, die unsere Sehgewohnheiten hinterfragen und Alltagsmaterialen in einen ganz neuen Kontext zu Ihrem Umfeld stellen und erscheinen lassen. Hubertus Hamm schafft Arbeiten, die erstaunen, faszinieren und zum Reflektieren anregen.

Ein Kommentar von Lea Grebe

 

14-headegg-Mathias-Schmied

 

 

Bilder der Vernissage

 

Mehr über Mathias Schmied unter:
www.mathias-schmied.com

 


It’s been a long day

Der Winter ist noch nicht vorbei und schon geht es bei HEADEGG mit der 14. Ausstellung „It’s been a long day“ weiter. Diesmal zeigen wir in einer von Alexandra Grimmer kuratierten Ausstellung den Künstler Mathias Schmied.

Der 1976 in Bern geborene und in Paris lebende Künstler zeigt Arbeiten aus Papier. Filigrane Gebilde, die sich an Zeichnungen orientieren.  Mathias Schmied verwendet statt eines Zeichenstifts ein Skalpell, mit welchem er seine Arbeiten erschafft. Was entsteht, ist genauso wie bei der Zeichnung eine Linie ein Strich, nur dass diese als Leerstelle in Erscheinung tritt. Durch Destruktion und Reduktion des Materials geht Schmied den genau entgegengesetzten Weg der Zeichnung. Beeinflusst durch Land Art-Künstler wie z.B. Gordon Matta-Clark, Michael Heizer oder Robert Smithson, die mit ihren Arbeiten in die Natur eingreifen, diese geradezu zerteilen und zergliedern, macht es Schmied ihnen gleich, nur mit dem einfachsten Material überhaupt, dem Papier.

So kommt neben dem Skalpell auch dem verwendeten Material eine spezielle Bedeutung zu. Das Papier wird so bearbeitet, dass es eine neue Funktion und Dimension erhält. Durch die Schnitte tritt die Zeichnung aus Ihrer Eindimensionalität heraus, nimmt den Raum mit in Beschlag, wird dreidimensional, wird zur Skulptur. Mit der Verwendung eines so vergänglichen Materials wie Papier erhalten die Arbeiten Schmieds so etwas wie ein „eingebautes Ablaufdatum“, welches sich teilweise auch in den inhaltlichen Aussagen der Werke widerspiegelt. Im Gegensatz zu in der Bildhauerei verwendeten Materialien, wie z. B. Bronze oder Stein zerfällt Papier schnell und löst sich im Laufe der Zeit auf. Dieses Moment, das an die Vergänglichkeit aller Dinge erinnern soll, ist Schmied wichtig. Es bezieht die ikonografisch bedingte Vanitas-Symbolik als einen Aspekt in die Arbeiten mit ein.

Inhaltlich bearbeitet Schmied unterschiedliche Ausgangsmaterialien, wie Comics oder Pin-up Fotografien aus Zeitschriften. Massenkommunikationsmedien werden hier zu abstrakten grafischen Objekten transformiert. Auch die Beschäftigung mit dem Schriftzeichen an sich ist ein zentrales Thema in seinen Arbeiten. Hier entsteht eine Verbindung zur Kalligrafie, welche sich auf die gleiche präzise Art und Weise mit dem Wort und den Buchstaben auseinandersetzt. Bei Schmied treten Worte einzeln isoliert oder in kleinen Gruppierungen auf. So bekommt das Wort als solches eine besondere Wirkung, die beim Betrachter einen zusätzlichen Nachhall erzeugt.

Auch bei den Arbeiten mit Comicseiten steht die Reduktion im Vordergrund. Durch gezieltes Herauslösen, Strukturieren und Reduzieren verändert sich die ästhetische Wirkung des Comics vollkommen. Was übrig bleibt, sind Fragmente, Umrisse und das nicht Vorhandene. Das Weiß wird dominant und löst so durch Leerstellen mit Ruhe und Klarheit die oft unruhig erscheinenden Comics ab.

Ein Kommentar von Lea Grebe

13-headegg-Stephan-Kaluza

 

Bilder der Vernissage

Mehr über Stephan Kaluza unter:
www.schultzberlin.com

 


FELDER

Mit der 13. Ausstellung wird bei HEADEGG einiges anders! Zu Gast ist die Galerie von Michael Schultz, die den Künstler Stephan Kaluza in unserem Räumen präsentiert. Der umtriebige Galerist betreibt neben seiner Berliner Hauptniederlassung Dependancen­ in Seoul­ und Beijing. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist das Aufspüren von neuen künstlerischen­ Strömungen. Mehr unter www.schultzberlin.com

Stephan Kaluza ist ein etablierter, in Düsseldorf und Berlin lebender und arbeitender Maler, Fotograf und Autor. 1964 geboren, stellte er neben der Malerei ab 2004 zunehmend­ auch fotografische Arbeiten in monumentaler Größe aus, u.a. im Zendai Museum­ Shanghai­, Museum of the Seam, Jerusalem, Contemporary Art Museum Seoul­, Kunsthalle­ Düssel­dorf. Ebenso schrieb er Theaterstücke, welche am Schauspielhaus und der Oper am Rhein, Düsseldorf, sowie im Staatstheater Stuttgart und am Deutschen Theater­ Berlin urauf­geführt wurden.

Bei HEADEGG ist die Serie »Felder« von 2013 zu sehen, die sich mit der heutigen Bedeutung­, Problematik und Atmosphäre einer Landschaft auseinandersetzt. Dem voraus ging ein Zyklus, der sich mit Schlachtfeldern in ihrem heutigen Zustand beschäftigte. Stephan Kaluza beschreibt seine Arbeiten wie folgt:

„Die menschliche Geschichte machte viele Orte zu bedeutungsvollen Orten. Im neutralen­ Sinne fallen ebenso menschliche und wie auch naturelle Katastrophen unter diese Begrifflichkeiten; ehemals simple Ortsbezeichnungen wie Tschernobyl, Auschwitz und Guantanamo­ Bay konnotieren heute eher die Bedeutung dieser Orte als deren schlichte geographische Bezeichnung. Die Ereignisse, die an diesen Orten stattfanden, machten diese Plätze zu Symbolen einer allseits gegenwärtigen Geschichte.


Insbesondere die Schlachtfelder im Verlauf der menschlichen Geschichte nehmen als Symbol eine große­ Präsenz ein; auch der nicht so Geschichts-Bewanderte ist mit Ortsbezeichnungen wie Waterloo­ und Marathon vertraut, sei es, weil die eine als Synonym für – Niederlage­ – steht, sei es, weil man nach der anderen eine populäre Sportart benannt hat. Die Neutralisierung des zeitlichen­ Abstandes nimmt den stattgefundenen Dramen vor allem – die Trauer. Auch wenn die jeweils nationale Heroisierung den Opfern dieser Ereignisse den notwendigen Trost gab, so geschah vor allen anderen Dingen zunächst das eine, – es wurde­ zumeist sinnlos­ gestorben und die Größe der geschichtlichen Bedeutung konkurriert­ in trauriger­ Weise mit der Anzahl der massenhaft Getöteten.


Die Bilder der schönen und idyllischen Landschaften stehen im bewussten Kontrast zum Wissen über das Geschehene.­ Es sind nicht die trainierten Medien-Bilder, die sich einem aufdrängen; in diesen Fotos von romantisch­ anmutenden Wäldern, Wiesen und Flüssen zeigt sich eher eine Unschuld und eine Unbeirrbarkeit der Natur, unabhängig­ vom menschlichen Handeln seinerzeit. In ihrer­ stillen Präsenz verdeutlicht die Natur die Flüchtigkeit, und ebenso die Abgründe des menschlichen Tuns. Die Bilder basieren auf einer Art »doppelten« Wahrnehmung; das Wissen von den Ereignissen findet parallel zum eigentlich Sichtbaren statt, es entsteht so die Illusion einer entnommenen Zeit, eines angehaltenen Augenblicks. Die Fotos stellen derart die Frage nach den »Bildern hinter den Bildern«, nach der (un)sichtbaren »Bedeutung«­ dieses Ortes, ihnen ist eines gemein, – die Natur steht in ihrer Schönheit im Vordergrund. Nicht, um die traurige Berühmtheit dieser Orte zu »verniedlichen«, vielmehr, um ein Bewusstsein von Zeit und Vergessen zu hinterfragen.­“

Ein Kommentar von Lea Grebe

Hubertus Hamm
11-headegg-Olaf-Tiedje

Bilder der Vernissage

Mehr über Olaf Tiedje unter:
www.ot-sculptures.com


yarn-objects

Das Jahr 2013 beginnt bei HEADEGG mit der Ausstellung Nummer 11 unter dem Titel Olaf Tiedje „yarn-objects“, Fotografien. Der in Stuttgart geborene Künstler setzt sich mit dem Medium der digitalen Fotografie auf formal-traditionellem Weg auseinander. Er kombiniert diese für uns auch erstmals in einer Ausstellung mit einer realen Installation, wie sie sonst nur in den eigentlichen Arbeiten zu finden ist.

Zu sehen sind 2009 entstandene Bilder der Serie „yarn-objects“. Sie zeigen urbane Stadtlandschaften, in welche der Künstler mit seinen „Schnur-Installationen“ interveniert und auf das Vorhandene, die Umgebung reagiert. Auch Naturaufnahmen, in die urbane Elemente transportiert werden, sind Teil der Serie. In langer Abstimmung auf den Ort, seine Wirkung und sein Potential entstehen die Installationen, welche anschließend in den Bildern von Tiedje zu sehen sind. Wichtig hierbei ist zum einen der Aspekt des gekonnt handwerklichen Arbeitens. Tiedje der über die Studiofotografie zur Kunst gekommen ist, beherrscht dieses perfekt. Für das Auge ist es auf den ersten Blick nicht zu erkennen, wie die zarten Schnurgebilde ohne Hilfe der digitalen Bearbeitung entstanden sind. Zum anderen tritt der Raum als wichtiger Bezugspunkt auf. In ihm bewegt sich der Fotograf, auf ihn beziehen sich die Installationen und ohne ihn wäre eine Reaktion auf den Ort, ein Intervenieren nicht möglich. Die filigranen Gebilde fügen sich perfekt in ihr Umfeld ein. Die Fäden vollziehen mit einer solchen Selbstverständlichkeit Formen, hören plötzlich auf oder spannen Gebilde auf, dass die Unmöglichkeit des Gesehenen erst auf den zweiten Blick dem Betrachter bewusst wird. Was ausgelöst wird, sind Irritationen, die dazu anregen, Sehgewohnheiten zu hinterfragen, genau hinzusehen und das Gesehene nicht einfach hinzunehmen. Die Phantasie wird angeregt, eine eigene Interpretation des Dargestellten zu entwickeln. Der Faden beschreibt Bahnen, welche für das Auge nicht nachvollziehbar erscheinen. Erst bei ganz genauem Hinsehen erkennt der Betrachter, z.B in dem Bild „pingpong“, die fast unsichtbaren Fäden, die es ermöglichen, den Flug eines Tischtennisballs nachzuempfinden. Was sich so in den Fotografien entwickelt, ist ein Wechselspiel zwischen den Gegensätzen Natur und Zivilisation, die sich hier gegenseitig bedingen, miteinander verknüpft werden und im Wechselspiel zueinanderstehen. Es kommt zu einer Gratwanderung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Realem und Imagination. „Die Bilder erhalten so eine neue fotografische und inhaltliche Qualität. Die Fäden schaffen Verbindungen, brechen Strukturen, liefern Zitate, zeigen Symbole oder verhüllen Oberflächen“, so der Künstler über sein Werk. Auf diese Weise gelingt es Tiedje, rätselhafte, filigrane und sensibel auf den Ort abgestimmte Installationen in das Umfeld einzuflechten und verleiht der Fotografie damit Aspekte des surreal-wundersamen, ja sogar märchenhaft Anmutenden.

Ein Kommentar von Lea Grebe

10-headegg-Neringa-Vasiliauskaite

Bilder der Vernissage

Mehr über Neringa Vasiliauskaite unter:
www.glassberry.eu


„Šviesos paieškos“/ 
„Die Suche des Lichts“

Das Ende der Saison naht und HEADEGG beschließt diese mit der 10. Ausstellung, die Arbeiten der Glas-Künstlerin Neringa Vasiliauskaite präsentiert. 1984 in Litauen geboren, studiert sie zur Zeit an der Akademie der Bildenden Künste in München in der Klasse ehemals Prof. Prangenberg.

Die Ausstellung trägt den litauischen Titel „Šviesos paieškos“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Die Suche des Lichts“. Eben dieses Licht spielt bei der Künstlerin, die sich ausschließlich mit dem Material Glas in ihrem Werk beschäftigt, eine zentrale Rolle. Der Reiz des Materials, seine zahlreichen Facetten, Wirkungen und Erscheinungsformen werden in immer neuen Kontexten von der Künstlerin erprobt. Die meisten Arbeiten Neringa Vasiliauskaites stehen in einem engen Bezug zur Architektur und treten mit dieser in Verbindung. Jeder Arbeit liegt ein genau geplantes Konzept zugrunde. Was entsteht sind filigrane, sensible, sich auf das Material konzentrierende Arbeiten, die ihre Wirkung gerade durch den zerbrechlichen Werkstoff und seine Beleuchtung erhalten.

So auch die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten „Ohne Titel“ (Digitaldruck auf Glas/Kupferrohre) von 2011 und 2012. Sie setzen das so perfekt und unberührt wirkende Glas in Kontrast zu alten gebrauchten Fundstücken aus Vasiliauskaites litauischer Heimat. In Metallrohren erscheinen dem Betrachter unterschiedliche Gesichtsausschnitte und Fragmente unbekannter, fremder Menschen. Leicht verschwommen und milchig in Schwarz/Weiss blicken sie einen wie aus weiter Ferne an. Eingerahmt, gefasst und auch auf gewisse Weise gefangen in der Begrenzung treten sie dem Gegenüber auf Augenhöhe entgegen. Was hier erzwungen wird, ist eine Beschränkung des Sehens. Der Rest der gezeigten Gesichter bleibt dem Betrachter unzugänglich und verschlossen. Er kann sich kein vollständiges Bild der zu den Augen gehörenden Personen machen. Durch die Eingrenzung kommt es zu einer Fokussierung und Konzentration auf einen kleinen begrenzten Bereich des Menschen.

Der Betrachter tritt in Kommunikation mit dem gezeigten Gegenüber und muss sich der Divergenz stellen, die gleichzeitig wichtige Informationen nicht offenlegt, sondern zurückhält und so durch die Augen in die „Seele“ des Einzelnen blicken lässt und das Innerste des Menschen offenlegt. Der Betrachter wird zum Wertenden auf der Suche nach der Individualität des Einzelnen, der in den Arbeiten als Bruchstück und Fragment präsentiert wird.

Dies offenbart den Menschen, hier den Betrachter, als Gefangenen seiner eigenen Auffassungen, Meinungen und sogar Vorurteile. Man wird mit den unterschiedlichsten eigenen Assoziationen konfrontiert und steht ihnen unerwartet gegenüber. So zeichnet Neringa Vasiliauskaite, sensibel in ihren Arbeiten, die immer größer werdende Entfremdung des Einzelnen in unserer Gesellschaft nach.

Ein Kommentar von Lea Grebe

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WEITERE DER 65 ARBEITEN VON HERBERT ROMETSCH >>> 

 

Bilder der Vernissage

Mehr über Herbert Rometsch unter:
www.herbert-rometsch.com

 


 Fotoarbeiten 2012

Nach der Winterpause startet HEADEGG mit einer neuen Ausstellung in das Frühjahr 2012 bei der wir uns wieder auf unsere Wurzeln besonnen haben. In der 9. Ausstellung „Herbert Rometsch – Fotoarbeiten 2012“ dreht sich alles um Fotografie. Der in München lebende und arbeitende Künstler Herbert Rometsch beschäftigt sich schon seit über 30 Jahren mit diesem Medium. Beeinflusst durch die Informelle Kunst und Künstler wie Ugo Mulas, K.R.H. Sonderborg, Jean-Michel Basquiat oder auch Wols und Blinky Palermo entwickelt Herbert Rometsch eine Zeichensprache, die von spontanen Impulsen lebt, sich in Linien, Streifen und Farbflächen unmittelbar überträgt.

Was über Jahre entstand und immer noch täglich wächst, ist eine scheinbar unbegrenzte Menge an Bildern. Mit geübtem Auge für die kleinen und großen Zusammenhänge, das Unscheinbare, das nicht Offensichtliche werden die Bildmotive ausgewählt. Zwischen Detailaufnahmen von „Stadtmobiliar“ stehen Streetart und deren Überlagerungen im bildnerischen Interesse des Künstlers. Diese Aufnahmen erhalten durch die fotografische Begrenzung und Herauslösung aus ihrem ursprünglichen Kontext eine neue Bedeutung und Wirkung. Immer neue Spuren, Tags, Verwischungen, Kommentare und kreative Ausbrüche verschiedenster Art fügen sich zu einem dichten, komprimierten neuen Ganzen zusammen. Die Fotografien und produzierten Bilder vermitteln und eröffnen dem Betrachter Eindrücke von Orten und Details, an denen er unbemerkt vorüber gegangenen wäre. Die Bilder entstehen spielerisch, forschend, auf Streifzügen durch den Alltag.

Das Ausgangsprodukt wird mal mehr, mal weniger bearbeitet. Die künstlerischen Eingriffe reduzieren auf das Wesentliche, komponieren oder stellen unsere Sehgewohnheiten infrage. Oft ist das Auge verwirrt von Verzerrungen, Farbflächen und Streifen, die wie aus dem Nichts zu kommen scheinen. Der Raum verändert sich, Vorder- und Hintergrund werden diffus, stellen herkömmliche Raumempfindungen auf die Probe. Was entsteht, sind im Bild enthaltene abstrakte Farbspektren die den, von der Realität ausgehenden Fotografien eine zweite monochrome Ebene hinzufügen. Die Möglichkeiten der Fotografie werden neu ausgelotet und mithilfe heutiger Techniken an ihre Grenzen getrieben.

Herbert Rometsch versteht seine Arbeiten als Form urbaner Kommunikation, von vorhandenen Impulsen ausgehend, als Beobachter, die Städte und die in ihr entstehenden Prozesse abstrahierend. Wie Skizzen entstehen Fotografien, die Urbanität und Leichtigkeit ausstrahlen.

Auch HEADEGG ist nun endgültig in der medialen Gegenwart angekommen. Die Ausstellung zeigt aus dem Überfluss an Bildmaterial nur einzelne Arbeiten und ist gekoppelt an eine virtuelle Galerie, die den Besucher einlädt weitere Arbeiten unter www.headegg.com zu betrachten.

Ein Kommentar von Lea Grebe

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Bilder der Vernissage

Mehr über Matthias Trager unter:
klassepitz.adbk.de/matthias-trager


111+1

Die achte Ausstellung „111+1“ von HEADEGG steht ganz im Zeichen der Natur. Matthias Trager, der seit 2008 bei Professor Hermann Pitz an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, beschäftigt sich seit Beginn seines Studiums mit dem Material und der Struktur von Pflanzen. Diese dienten ihm Anfangs als Vorlagen für sein (druck-) grafisches Werk; wurden in letzter Zeit jedoch zunehmend auch als bildhauerisches Material eingesetzt.

Schon seit Kindesbeinen begleitet Trager dieses ausgeprägte Interesse an der Botanik, welches heute ein wesentliches Element seines künstlerischen Schaffens darstellt. Seine Arbeiten bewegen sich thematisch im Spannungsfeld organischer Strukturen und Materialien, denen er geometrische und architektonische Formen gegenüberstellt.

Diese Überlegungen liegen auch den zwei gezeigten Arbeiten zugrunde.
Zu sehen ist eine fotografische Bestandsaufnahme von 111 pflanzlichen Objekten, die alle aus den unterschiedlichen Bestandteilen der Pestwurz gefertigt wurden. Aus dem zerkleinerten organischem Grundmaterial, entstehen verschiedenste geometrische Flächen, Kuben, Würfel und Gittergeflechte. Unter dem Titel Inventur 2011 sind sie aufgereiht, jedes Einzelne davon nüchtern abfotografiert und zentriert im Bild platziert. Die Wahl des jeweils gleichen Bildausschnittes lässt den Betrachter über die Maße der einzelnen Objekte im Unklaren. Die Arbeit ist als Dokumentation einer künstlerischen Materialforschung zu verstehen, welche als Vorstufe zur zweiten Arbeit begriffen werden kann:

Hier ist ein organisches Objekt zu sehen, eine Sitzbank aus Pflanzenfasern der beiden Neophyten (Pflanzenarten, welche nicht von Natur aus in Deutschland heimisch sind): Indisches Springkraut und Japanischer Riesenknöterich.

Die angefertigte Negativform, welche mit den Pflanzenfasern ausgegossen wurde, entsteht durch die Abformung einer antiken Holzbank, die sich seit der Gründerzeit im Besitz der Münchener Akademie befindet. Das organische Material verändert sich im Laufe des Trocknungsprozesses in Volumen und Form, so dass sich ein Verfremdungseffekt einstellt. Zwar lässt sich das Ausmaß der Formveränderung über die Parameter Faserlänge und Trocknungsgeschwindigkeit beeinflussen, das entstehende Objekt ist jedoch immer ein Stück dem Zufall ausgesetzt.

Ein Kommentar von Lea Grebe


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